Die Sage von der Teufelsmauer – Als der Teufel den Harz besitzen wollte
Am nördlichen und östlichen Rand des Harzes zieht sich eine außergewöhnliche Felslandschaft durch das Harzvorland. Über viele Kilometer ragen schmale, steile Sandsteinfelsen aus der Landschaft empor. Manche stehen wie Türme nebeneinander, andere wirken wie Mauern, Zinnen oder gewaltige Burgruinen.
Diese ungewöhnliche Felsformation trägt einen Namen, der schon seit Jahrhunderten die Fantasie der Menschen anregt:
Die Teufelsmauer.
Besonders eindrucksvoll ist sie zwischen Blankenburg, Timmenrode, Weddersleben, Warnstedt und Ballenstedt. Zu ihren bekannten Felsgruppen gehören unter anderem der Großvater, das Hamburger Wappen, die Königsteine, die Papensteine, die Mittelsteine, der Dicke Stein bei Rieder und die Gegensteine bei Ballenstedt.
Wer zwischen den Felsen steht, versteht schnell, warum sich um diesen Ort eine Sage entwickeln musste.
Die Felsen sehen tatsächlich so ungewöhnlich aus, als hätte jemand sie absichtlich dort aufgestellt.
Für die Menschen früherer Zeiten war deshalb die Vorstellung naheliegend:
Diese Mauer konnte nur der Teufel gebaut haben.
Der Streit zwischen Gott und dem Teufel
Vor langer, langer Zeit, so erzählt die Sage, waren Gott und der Teufel miteinander in Streit geraten.
Es ging um die Erde.
Beide wollten einen Teil des Landes für sich beanspruchen.
Der Teufel war unzufrieden damit, dass ihm nach seiner Meinung zu wenig von der Welt zustand. Er wollte seinen eigenen Herrschaftsbereich haben – ein Land, das ihm allein gehören sollte.
Schließlich kam es zu einer Vereinbarung.
Gott machte dem Teufel einen Vorschlag:
Der Teufel dürfe den Harz für sich haben, wenn er es schaffte, innerhalb einer einzigen Nacht eine gewaltige Mauer um das Gebiet zu errichten.
Doch es gab eine Bedingung.
Die Mauer musste fertig sein, bevor der erste Hahn am Morgen krähen würde.
Wenn der Teufel es schaffen würde, sollte das Land ihm gehören.
Wenn er scheitern würde, wäre der Harz für ihn verloren.
Der Teufel nahm die Herausforderung an.
Er war überzeugt davon, dass er gewinnen würde.
Die Arbeit beginnt
Kaum war die Sonne untergegangen und die Dunkelheit über den Harz gezogen, begann der Teufel mit seiner Arbeit.
Doch natürlich wollte er die riesige Mauer nicht allein errichten.
Er rief seine Helfer zusammen.
Nach der Sage kamen aus den Tiefen der Erde unheimliche Gestalten hervor. Unterirdische Geister, böse Wesen und andere dämonische Helfer sollen ihm zur Seite gestanden haben.
Plötzlich wurde es im Harz laut.
Es krachte.
Es donnerte.
Felsen wurden aus dem Boden gerissen.
Steine wurden geschleppt und aufeinandergetürmt.
Die Helfer rannten hin und her, während der Teufel selbst die größten Felsblöcke bewegte.
Überall erklang ein gewaltiges Poltern.
Stein auf Stein.
Fels auf Fels.
Die Mauer wuchs.
Die Teufelsmauer wächst
Der Teufel arbeitete mit unglaublicher Geschwindigkeit.
Er wollte das riesige Gebiet des Harzes vollständig umschließen.
Je länger die Nacht dauerte, desto höher wurde die Mauer.
Die Felsen türmten sich auf und bildeten eine lange, unregelmäßige Linie.
An manchen Stellen entstanden schroffe Türme.
An anderen Stellen ragten einzelne Felsnadeln in den Himmel.
Bald schien es tatsächlich so, als würde der Teufel seine Aufgabe schaffen.
Die Mauer war fast geschlossen.
Nur noch ein kleines Stück fehlte.
Der letzte Stein lag bereits bereit.
Der Teufel musste ihn nur noch einsetzen.
Er schaute zum Himmel.
Noch war es dunkel.
Noch war kein Hahn zu hören.
Er glaubte, gewonnen zu haben.
Der Hahn – der kleine Held der Sage
Eine der schönsten Einzelheiten der Teufelsmauer-Sage ist der Hahn.
Nicht ein großer Held, kein Ritter und kein mächtiger König soll den Teufel besiegt haben.
Es war ein kleiner Hahn.
In einer verbreiteten Variante soll eine Frau aus Timmenrode früh am Morgen unterwegs gewesen sein. Sie wollte nach Quedlinburg zum Markt und hatte einen Hahn bei sich.
Als sie die gewaltige Mauer erblickte, erschrak sie.
Dabei kam der Hahn aus seinem Gefängnis frei.
Der Vogel begann zu krähen.
Der Teufel hörte den Hahnenschrei und glaubte, die Nacht sei vorbei.
Damit hatte er verloren.
Der Hahn wurde somit – ohne es zu wissen – zum Retter des Harzes.
Eine Sage mit einer kleinen Moral
Die Geschichte kann sogar als kleine Lebensweisheit verstanden werden.
Der Teufel besitzt gewaltige Kräfte.
Er hat Helfer.
Er kann riesige Felsen bewegen.
Und trotzdem scheitert er an etwas ganz Kleinem.
Ein einziger Hahnenschrei bringt seinen gesamten Plan zu Fall.
Die Sage zeigt damit:
Nicht immer entscheidet die größte Kraft über den Ausgang einer Geschichte. Manchmal reicht ein kleiner Zufall.
Vielleicht ist genau das einer der Gründe, warum die Geschichte über Jahrhunderte weitererzählt wurde.
Der Teufel wird wütend
Der Teufel konnte seinen Misserfolg nicht ertragen.
Er hatte die ganze Nacht gearbeitet.
Er hatte seine Helfer eingesetzt.
Er hatte riesige Felsen bewegt.
Und nun sollte alles umsonst gewesen sein?
Vor Wut geriet der Fürst der Finsternis außer sich.
Er packte den letzten Stein und schleuderte ihn mit gewaltiger Kraft davon.
Dann trat er gegen die fast fertige Mauer.
Es krachte und donnerte.
Die Felsen stürzten auseinander.
Steine wurden durch die Gegend geschleudert.
Die gerade errichtete Mauer wurde an vielen Stellen zerstört.
Doch nicht alles verschwand.
Einige gewaltige Felsgruppen blieben stehen.
Und genau diese Felsen sollen nach der Sage die Überreste von Bodos – beziehungsweise des Teufels – missglücktem Werk sein.
So erklärt sich bis heute der Name:
Teufelsmauer.
Doch der Teufel wusste etwas nicht
Die Geschichte besitzt allerdings noch eine überraschende Wendung.
Der Teufel hatte nämlich einen entscheidenden Fehler gemacht.
Der neue Tag war noch gar nicht angebrochen.
Der Hahn hatte viel zu früh gekräht.
Und daran war eine einfache Bauersfrau schuld.
Die Bäuerin aus Timmenrode
In einer besonders bekannten Fassung der Sage lebte die Frau in Timmenrode.
Sie war früh am Morgen unterwegs.
Ihr Ziel war der Markt in Quedlinburg.
Dort wollte sie ihre Waren verkaufen.
Bei sich trug sie einen Hahn, den sie auf dem Markt verkaufen wollte.
Der Hahn saß in einem Korb beziehungsweise einem Käfig.
Noch war es eigentlich viel zu früh für den ersten Hahnenschrei.
Die Sonne war noch nicht aufgegangen.
Die Nacht war noch nicht vorbei.
Doch dann geschah etwas Merkwürdiges.
Die Bäuerin bemerkte plötzlich die riesigen Umrisse der ungewöhnlichen Felsen.
Im Halbdunkel sah die gewaltige Mauer für sie unheimlich aus.
Sie erschrak.
Sie stolperte und fiel.
Dabei sprang der Käfig auf.
Der Hahn kam frei.
Und der erschrockene Vogel begann ausgerechnet in diesem Moment laut zu krähen.
„Kikeriki!“
Der verhängnisvolle Irrtum
Der Teufel hörte den Hahnenschrei.
Er dachte, der Morgen sei gekommen.
Damit hatte er seine Frist verpasst.
Obwohl tatsächlich noch Zeit gewesen wäre, glaubte er, die Nacht sei vorbei.
Seine Wut war grenzenlos.
Er zerstörte sein fast vollendetes Werk.
Und erst später hätte er erfahren können, dass er von einem einzigen Hahn getäuscht worden war.
Die heutige Teufelsmauer wäre somit nicht nur das Ergebnis seines Zorns, sondern auch das Denkmal eines besonders folgenschweren Missverständnisses.
Zwei Fassungen der Sage
Interessant ist, dass die Geschichte nicht überall genau gleich erzählt wird.
In einer Variante kommt die Frau aus Timmenrode.
In einer anderen Überlieferung wird eine Marktfrau aus Cattenstedt genannt.
Auch die Einzelheiten unterscheiden sich.
Mal ist von einer Bäuerin die Rede, mal von einer Marktfrau. Mal trägt sie den Hahn in einem Korb, mal in einem Käfig.
Der Kern der Geschichte bleibt jedoch gleich:
Der Teufel soll eine Mauer errichten.
Er darf nur bis zum ersten Hahnenschrei arbeiten.
Ein Hahn kräht zu früh.
Der Teufel glaubt, die Nacht sei vorbei.
Und aus Wut zerstört er sein Werk.
Die Stadt und der Tourismus rund um Blankenburg und das Bodetal erzählen diese Grundgeschichte bis heute.
Warum die Felsen wirklich dort stehen
So schön die Sage auch ist – die tatsächliche Entstehung der Teufelsmauer ist noch viel älter.
Die Felsen sind keine Überreste einer vom Teufel errichteten Mauer.
Sie entstanden durch geologische Prozesse, die Millionen von Jahren zurückreichen.
Der Sandstein der Teufelsmauer wurde vor ungefähr 85 Millionen Jahren während der Oberkreide abgelagert.
Damals sah die Welt völlig anders aus.
Dort, wo sich heute der Harz erhebt und Wanderer durch die Felsen laufen, befanden sich Meeresbereiche beziehungsweise Küstenlandschaften.
Sand und andere Sedimente wurden abgelagert und im Laufe sehr langer Zeit zu Gestein verfestigt.
Als der Harz sich hob
Später veränderte sich die Landschaft gewaltig.
Das Harzgebirge wurde angehoben.
Dabei wurden die Gesteinsschichten am nördlichen Harzrand stark bewegt und teilweise steil aufgerichtet.
So entstanden die charakteristischen schräg stehenden Sandsteinschichten.
Erosion durch Wasser, Wind, Frost und andere natürliche Prozesse trug anschließend weichere Gesteinsbereiche ab.
Die härteren Gesteinspakete blieben stehen.
Nach und nach entstand die außergewöhnliche Schichtrippenlandschaft, die wir heute als Teufelsmauer kennen.
Das bedeutet:
Die Teufelsmauer ist kein Bauwerk.
Sie ist ein beeindruckendes Ergebnis der Erdgeschichte.
Millionen Jahre älter als die Sage
Wenn man heute auf den Felsen steht, ist es kaum vorstellbar, wie alt diese Gesteine tatsächlich sind.
Die Sage vom Teufel ist nur ein winziger Abschnitt in der Geschichte dieses Ortes.
Die Felsen waren bereits vorhanden, lange bevor Menschen hier Geschichten erzählten.
Dinosaurier lebten noch auf der Erde, als die Gesteine der heutigen Teufelsmauer entstanden.
Erst viele Millionen Jahre später kamen Menschen und gaben dieser außergewöhnlichen Landschaft Namen und Geschichten.
Das macht den Ort besonders faszinierend:
Die Wissenschaft erzählt die Geschichte der Erde – die Sage erzählt die Geschichte der Menschen.
Der Großvater
Zu den bekanntesten Felsen der Teufelsmauer gehört der Großvater bei Blankenburg.
Seine ungewöhnliche Form macht ihn zu einem markanten Punkt der Landschaft.
Der Felsen ist Teil der Blankenburger Teufelsmauer, die sich hier teilweise durch Waldgebiete zieht.
Wer den Kammweg entlangwandert, erlebt die Felsen aus unterschiedlichen Perspektiven.
Mal wirken sie wie eine natürliche Festung.
Mal wie eine Ruine.
Und an manchen Stellen tatsächlich wie die Überreste einer gigantischen Mauer.
Das Hamburger Wappen
Eine weitere bekannte Felsgruppe ist das Hamburger Wappen bei Timmenrode.
Sein Name geht auf die auffällige Form der Felsen zurück.
Die drei markanten Felsbereiche erinnern an die Türme des Hamburger Stadtwappens.
Geologisch gehören die Felsen zur Heidelberg-Formation. In ihnen befinden sich unter anderem größere Gerölle älterer Gesteine. Sie geben Hinweise auf die geologische Entwicklung des Harzrandes und auf die Erosion verschiedener Gesteinsschichten.
So trägt auch dieser Ort einen Namen, der aus dem menschlichen Blick auf die Landschaft entstanden ist.
Die Teufelsmauer als gefährlicher Ort
Die Felsen waren früher nicht nur schön anzusehen.
Sie konnten auch gefährlich sein.
Schmale Felsbänder, steile Abhänge, Spalten und unwegsames Gelände machten die Teufelsmauer zu einem Ort, an dem man vorsichtig sein musste.
Gerade solche schwer zugänglichen Landschaften waren besonders geeignet für Sagen.
Wo Menschen nicht jeden Winkel erreichen konnten, konnte sich die Fantasie frei entfalten.
Was verbarg sich hinter einer Felsspalte?
Gab es dort eine Höhle?
War dort vielleicht ein Schatz versteckt?
Oder hauste dort tatsächlich ein geheimnisvolles Wesen?
Die Suche nach Gold und verborgenen Schätzen
Wie bei vielen Harzer Sagen spielt auch bei den Geschichten rund um die Teufelsmauer das Thema verborgener Reichtümer eine Rolle.
Gold, Schätze und geheimnisvolle Höhlen gehören zu den wiederkehrenden Motiven der regionalen Überlieferungen.
Das passt zur Geschichte des Harzes.
Der Harz war über Jahrhunderte stark vom Bergbau geprägt. Menschen suchten nach Erz, Silber und anderen Bodenschätzen.
Die Vorstellung, dass irgendwo unter den Felsen noch ein verborgener Schatz liegen könnte, war deshalb besonders reizvoll.
Aus einem natürlichen Spalt konnte in einer Sage schnell ein Eingang zu einer geheimnisvollen unterirdischen Welt werden.
Der Schutz der Teufelsmauer
Die Menschen begannen allerdings auch irgendwann zu erkennen, dass die ungewöhnlichen Felsen geschützt werden mussten.
Über lange Zeit wurden Steine aus der Umgebung der Teufelsmauer für verschiedene Bauzwecke verwendet.
Im 19. Jahrhundert wurde sogar unmittelbar an der Mauer Gestein abgebaut.
Das gefährdete das besondere Landschaftsbild.
Bereits 1833 erließ der preußische Landrat in Quedlinburg deshalb eine Schutzverordnung gegen den Abbau von Steinen und Sand an der Teufelsmauer. Das entsprechende historische Dokument wird heute im Archiv des Landkreises Harz aufbewahrt.
Damit gehört die Teufelsmauer zu den frühen Beispielen dafür, dass eine besondere Landschaft gezielt vor menschlicher Zerstörung geschützt wurde.
Ein Naturdenkmal des Harzes
Heute gilt die Teufelsmauer als eines der bekanntesten Natur- und Geotope der Harzregion.
Sie ist nicht nur ein beliebtes Wanderziel, sondern auch ein Fenster in die Erdgeschichte.
Wer dort unterwegs ist, begegnet gleichzeitig mehreren Geschichten:
der Geschichte der Erde,
der Geschichte des Harzes,
der Geschichte der Menschen,
und natürlich der Geschichte des Teufels.
Sage und Wirklichkeit
Die Sage von der Teufelsmauer ist natürlich keine wissenschaftliche Erklärung ihrer Entstehung.
Niemand hat eine vom Teufel gebaute Mauer gefunden.
Es gibt auch keinen historischen Beweis dafür, dass Gott und der Teufel tatsächlich um die Aufteilung des Harzes stritten.
Aber Sagen müssen nicht wahr sein, um wertvoll zu sein.
Sie zeigen, wie Menschen früher ihre Umgebung verstanden haben.
Eine Landschaft, die ungewöhnlich und schwer erklärbar war, bekam eine Geschichte.
Die gewaltigen Felsen wurden zu den Überresten einer teuflischen Mauer.
Der Hahn wurde zum unfreiwilligen Retter des Harzes.
Und der Teufel selbst wurde zum Verlierer seines eigenen Plans.
Die Moral der Geschichte
In der Sage steckt auch eine kleine Warnung.
Der Teufel glaubt, er könne alles erreichen.
Er ist überzeugt von seiner Stärke.
Er unterschätzt jedoch die kleinen Dinge.
Nicht ein mächtiger Gegner bringt ihn zu Fall.
Nicht ein Heer.
Nicht eine Burg.
Nicht ein anderer Riese.
Es ist lediglich ein Hahn.
Ein einziger Hahnenschrei entscheidet über den Ausgang der ganzen Geschichte.
Damit erzählt die Sage auf humorvolle Weise:
Auch der Mächtigste kann an einer Kleinigkeit scheitern.
Warum die Teufelsmauer bis heute fasziniert
Vielleicht ist es genau diese Mischung, die den besonderen Zauber der Teufelsmauer ausmacht.
Wer zwischen den Felsen wandert, kann die geologische Erklärung kennen und trotzdem die alte Sage genießen.
Man kann wissen, dass die Felsen durch Erdbewegungen, Sedimentation und Erosion entstanden sind.
Und trotzdem darf man sich vorstellen, wie der Teufel in einer dunklen Nacht mit seinen Helfern Stein für Stein aufeinanderstapelte.
Denn Sagen müssen die Wissenschaft nicht ersetzen.
Sie erzählen eine andere Art von Wahrheit.
Die Wahrheit darüber, wie Menschen einen Ort empfunden haben.
Ein Ort zwischen Erdgeschichte und Legende
Die Teufelsmauer ist deshalb mehr als nur eine Felsformation.
Sie ist ein Ort, an dem sich zwei Welten begegnen.
Die Wissenschaft blickt Millionen Jahre zurück.
Die Sage blickt in eine geheimnisvolle Vergangenheit voller Riesen, Geister und des Teufels.
Und der Mensch steht heute dazwischen.
Er sieht die gewaltigen Felsen und kann sich selbst entscheiden, welcher Geschichte er für einen Moment folgen möchte.
Vielleicht sieht er nur Sandstein.
Vielleicht sieht er eine geologische Besonderheit.
Oder vielleicht erkennt er zwischen den Felsen noch die Spuren des alten Teufels.
Und wenn am frühen Morgen irgendwo im Harz ein Hahn kräht, könnte man sich für einen Augenblick fragen:
War es vielleicht wieder derselbe Hahn, der einst den Teufel um seinen Besitz gebracht hat?
Denn eines steht in der Sage fest:
Der Teufel bekam den Harz nicht.
Seine Mauer blieb unvollendet.
Und die gewaltigen Felsen stehen noch heute dort – als Erinnerung an eine Nacht, in der ein einziger Hahnenschrei das Schicksal des Harzes verändert haben soll.