336 v. Chr. - Makedonien

Veröffentlicht am 13. September 2026 um 15:40

 

Ein König wird während einer großen Feier vor den Augen seiner eigenen Landsleute ermordet. Sein Mörder stirbt noch am selben Tag – und damit verschwindet möglicherweise die wichtigste Spur zu den Hintergründen der Tat.

Philipp II. wurde um 382 v. Chr. geboren und bestieg 359 v. Chr. den makedonischen Thron. Zu Beginn seiner Herrschaft war Makedonien politisch und militärisch keineswegs die dominierende Macht, zu der es später werden sollte. Philipp reformierte jedoch das Heer, stärkte seine Herrschaft und nutzte politische Bündnisse ebenso wie militärische Erfolge, um seinen Einfluss stetig auszuweiten.

Eine wichtige Grundlage seiner Macht war die makedonische Armee. Philipp entwickelte die berühmte makedonische Phalanx weiter und setzte lange Lanzen, die sogenannten Sarissen, ein. Gleichzeitig baute er seine Kavallerie aus und verbesserte die Organisation des Heeres. Dadurch konnte Makedonien seine Nachbarn zunehmend unter Druck setzen und seinen Einfluss auf die griechischen Städte ausweiten.

Philipps Aufstieg veränderte das politische Kräfteverhältnis in Griechenland. Viele griechische Stadtstaaten versuchten, ihre Eigenständigkeit gegenüber Makedonien zu bewahren. Andere akzeptierten Philipps wachsenden Einfluss. Nach seinem Sieg über Athen und seine Verbündeten in der Schlacht von Chaironeia 338 v. Chr. wurde Makedonien zur bestimmenden Macht in Griechenland.

Philipp gründete anschließend den Korinthischen Bund, dem sich zahlreiche griechische Staaten anschlossen. Nach außen sollte dieser Zusammenschluss vor allem gemeinsame Interessen sichern. Gleichzeitig verschaffte er Philipp eine politische Grundlage für sein nächstes großes Vorhaben: einen Feldzug gegen das Perserreich.

Der Konflikt mit dem Perserreich war für Philipp nicht nur eine militärische Möglichkeit. Ein Feldzug nach Osten konnte seine Stellung weiter stärken und die griechischen Verbündeten unter einer gemeinsamen Unternehmung vereinen. Erste makedonische Truppen waren bereits nach Kleinasien entsandt worden.

Doch bevor Philipp seinen geplanten Feldzug selbst beginnen konnte, kam es zu seiner Ermordung.

Im Jahr 336 v. Chr. fanden in Aigai, einer der wichtigsten königlichen Städte Makedoniens, große Feierlichkeiten anlässlich der Hochzeit seiner Tochter Kleopatra mit Alexander von Epirus statt. Philipp wollte bei den Festlichkeiten seine Macht und seinen Rang demonstrieren.

Nach den antiken Berichten betrat Philipp das Theater gemeinsam mit seinem Gefolge. Dabei soll er bewusst ohne den engen Schutz seiner Leibwächter aufgetreten sein, um sich der versammelten Menge zu zeigen.

Dann geschah der Angriff.

Der Leibwächter Pausanias von Orestis trat hervor und stach Philipp mit einem Dolch nieder. Der König wurde tödlich verletzt und starb noch am Tatort. Pausanias versuchte anschließend zu fliehen, wurde jedoch von Verfolgern eingeholt und getötet.

Damit war einer der wichtigsten Zeugen der Tat tot.

Über das Motiv berichten die antiken Quellen unterschiedliche Einzelheiten. Eine Erklärung bezieht sich auf einen persönlichen Konflikt zwischen Pausanias und Philipp. Pausanias soll sich von Philipp nicht ausreichend geschützt oder unterstützt gefühlt haben, nachdem er zuvor eine schwere persönliche Demütigung erlitten hatte.

Gleichzeitig entstand bereits in der Antike der Verdacht, dass hinter der Tat mehr als ein persönliches Motiv stehen könnte. Olympias, Philipps Ehefrau und Mutter Alexanders, wurde mit dem Mord in Verbindung gebracht. Auch über eine mögliche Beteiligung weiterer Personen wurde spekuliert. Einen eindeutigen Beweis für eine solche Verschwörung gibt es jedoch nicht.

Nach Philipps Tod änderte sich die politische Situation sofort. Sein Sohn Alexander, der später als Alexander der Große bekannt wurde, übernahm den makedonischen Thron. Er musste seine Herrschaft zunächst gegen mögliche Gegner absichern, bevor er die Pläne seines Vaters weiterführen konnte.

Nur wenige Jahre später begann Alexander seinen Feldzug gegen das Perserreich und schuf eines der größten Reiche der Antike.

Der Tod Philipps II. war deshalb nicht nur ein Mord an einem mächtigen Herrscher. Er war ein Ereignis, das die politische Geschichte der damaligen Welt veränderte.

Wer Pausanias tatsächlich zu der Tat bewegte, ob er aus persönlichen Gründen handelte oder ob andere Kräfte im Hintergrund standen, lässt sich heute nicht mehr sicher feststellen. Der Täter starb unmittelbar nach dem Mord – und mit ihm möglicherweise die Antwort auf eines der ungelösten Rätsel der makedonischen Geschichte.

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