Der Teufel und die Hexen

Der Teufelspakt und der Hexenkult – Mythos und Geschichte

Die Verbindung von Hexen und Teufel gehört zu den bekanntesten Vorstellungen der europäischen Hexenverfolgungen. Nach dem Glauben der frühen Neuzeit waren Hexen nicht einfach Menschen mit magischen Fähigkeiten. Ihnen wurde vorgeworfen, sich bewusst mit dem Teufel verbündet zu haben, um durch übernatürliche Kräfte anderen Menschen zu schaden.

Aus dieser Vorstellung entwickelte sich ein ganzes System von Anschuldigungen: Hexen sollten dem christlichen Glauben abgeschworen, einen Pakt mit dem Teufel geschlossen, an geheimen nächtlichen Versammlungen teilgenommen und dort gemeinsam mit anderen Hexen den Teufel verehrt haben.

Diese Vorstellungen gehören heute zur Geschichte des europäischen Hexenglaubens. Sie waren jedoch für die Menschen der damaligen Zeit keineswegs nur Geschichten. Sie konnten zu Gerichtsverfahren, Folter und schließlich zur Hinrichtung unschuldiger Menschen führen.

Wie entstand die Vorstellung vom Teufelspakt?

Die Verbindung zwischen Zauberei und dem Teufel entwickelte sich nicht plötzlich und lässt sich auch nicht allein einer einzelnen Institution zuschreiben.

Bereits im Mittelalter gab es Vorstellungen von Dämonen, Zauberei und verbotenen magischen Praktiken. Im 15. Jahrhundert entstand jedoch zunehmend ein neues Bild: Man stellte sich eine organisierte Gemeinschaft von Frauen und Männern vor, die angeblich im Geheimen mit dem Teufel zusammenarbeitete.

Dabei wurden verschiedene ältere Vorstellungen miteinander verbunden. Aus Magie und Schadenszauber, Vorstellungen über Dämonen sowie älteren Erzählungen über geheime Versammlungen entstand nach und nach das Bild der „Hexensekte“.

Das Deutsche Historische Museum beschreibt diesen Wandel als entscheidenden Schritt in der Entwicklung des Hexenbildes. Die Elemente Teufelspakt, Hexenflug, Hexensabbat und Schadenszauber wurden im Laufe des 15. Jahrhunderts zu einem umfassenden Vorwurfssystem verbunden.

Der Teufelspakt

Im Zentrum dieser Vorstellung stand der sogenannte Teufelspakt.

Der Hexe wurde vorgeworfen, sich freiwillig vom christlichen Glauben abgewandt und dem Teufel ihre Treue versprochen zu haben. Im Gegenzug sollte sie angeblich besondere Kräfte erhalten.

Mit diesen Kräften sollte sie beispielsweise:

  • Krankheiten verursachen,

  • Vieh verhexen,

  • Ernten vernichten,

  • Unwetter heraufbeschwören,

  • Menschen verzaubern oder

  • anderen auf magische Weise Schaden zufügen.

Für die damalige Gesellschaft war dieser Vorwurf besonders schwerwiegend. Nicht nur die angebliche Zauberei galt als Verbrechen. Die vermeintliche Abkehr von Gott wurde zugleich als religiöse und gesellschaftliche Bedrohung verstanden.

Damit wurde aus dem Verdacht auf Zauberei der Vorwurf eines Bündnisses mit dem Feind Gottes.

Der Hexensabbat

Mit dem Teufelspakt war die Vorstellung vom Hexensabbat verbunden.

Nach den damaligen Vorstellungen sollten sich Hexen heimlich in der Nacht versammeln. Dort würden sie gemeinsam mit dem Teufel feiern, tanzen, essen und trinken und sich von Gott lossagen.

Der angebliche Treffpunkt konnte je nach Region unterschiedlich sein. Besonders berühmte Orte wurden später mit solchen Vorstellungen verbunden. Im Harz wurde vor allem der Brocken beziehungsweise Blocksberg zum legendären Treffpunkt.

Der Hexensabbat war jedoch kein nachgewiesenes Ritual einer geheimen Gemeinschaft. Vielmehr handelt es sich um eine Vorstellung, die von Theologen, Juristen und anderen Gelehrten entwickelt und beschrieben wurde und die anschließend in Hexenprozessen eine wichtige Rolle spielte.

Warum glaubte man an solche Geschichten?

Heute erscheint die Vorstellung eines Teufelspaktes ungewöhnlich. Für viele Menschen der frühen Neuzeit gehörten Gott, Teufel, Dämonen und übernatürliche Kräfte jedoch selbstverständlich zu ihrem Weltbild.

Krankheiten, plötzliche Todesfälle, Missernten, Unwetter oder der Tod von Tieren konnten Ursachen haben, die man sich nicht erklären konnte.

Wenn beispielsweise innerhalb kurzer Zeit mehrere Kühe erkrankten, eine Ernte zerstört wurde oder ein Kind plötzlich schwer krank wurde, suchte man nach einem Grund.

In manchen Fällen konnte dabei der Verdacht auf eine Person fallen.

Aus einem Nachbarschaftsstreit, einer alten Feindschaft oder einem Gerücht konnte so eine gefährliche Anschuldigung entstehen.

Historiker betonen heute, dass die Ursachen der Hexenverfolgungen vielfältig waren. Neben religiösen Vorstellungen spielten auch politische, gesellschaftliche, rechtliche und wirtschaftliche Faktoren eine Rolle. Die Universität Trier weist ausdrücklich darauf hin, dass die Verantwortung nicht allein bei der Kirche lag, sondern sich aus einem Zusammenspiel von kirchlicher Legitimation und weltlicher Herrschaft entwickelte.

Kirche und weltliche Obrigkeit

Die oft erzählte Vorstellung, die Kirche allein habe die Hexenverfolgung betrieben, ist deshalb historisch zu einfach.

Theologen und Geistliche entwickelten und verbreiteten wichtige Vorstellungen über Dämonen, Teufelspakte und Hexensabbate. Gleichzeitig wurden Hexenprozesse jedoch überwiegend vor weltlichen Gerichten geführt.

Auch weltliche Herrscher, Gerichte und lokale Behörden waren an den Verfolgungen beteiligt.

Damit entstand ein Zusammenspiel verschiedener Kräfte: religiöse Vorstellungen lieferten die Begründungen, während weltliche Gerichte die Verfahren führten und Strafen verhängten.

Der „Hexenhammer“

Eine besonders bekannte Schrift in diesem Zusammenhang ist der „Malleus Maleficarum“, besser bekannt als „Hexenhammer“.

Das Werk wurde 1486/87 von dem Dominikaner Heinrich Kramer veröffentlicht. Es beschäftigte sich ausführlich mit angeblicher Hexerei und der Frage, wie Hexen erkannt und verfolgt werden sollten.

Der Hexenhammer war zwar nicht das einzige Buch über Hexerei und auch nicht die alleinige Ursache der Hexenverfolgungen. Er wurde aber zu einem einflussreichen Werk der damaligen Dämonologie und trug zur Verbreitung bestimmter Vorstellungen über Hexen und ihre angebliche Verbindung zum Teufel bei.

Die gefährliche Vorstellung vom Schadenszauber

Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Hexenglaubens war der sogenannte Schadenszauber.

Man glaubte, bestimmte Menschen könnten durch magische Kräfte Unglück verursachen. Krankheiten bei Menschen oder Tieren, Unwetter, Missernten oder andere Katastrophen konnten einer vermeintlichen Hexe zugeschrieben werden.

Damit wurde aus einer persönlichen Angst eine gesellschaftliche Gefahr.

Wer als Hexe bezeichnet wurde, musste nicht tatsächlich etwas getan haben. Oft genügte bereits der Verdacht.

Besonders gefährlich wurde das Verfahren, wenn eine beschuldigte Person unter Druck weitere angebliche Hexen nennen sollte. Dadurch konnte sich eine Anschuldigung immer weiter ausbreiten.

Wenn der Mythos zum Todesurteil wurde

Der vielleicht erschreckendste Teil dieser Geschichte liegt darin, dass die angeblichen Rituale des Hexensabbats nicht nur in Büchern existierten.

Sie konnten Bestandteil von Gerichtsverfahren werden.

Beschuldigte wurden verhört und konnten unter bestimmten rechtlichen Voraussetzungen gefoltert werden. Von ihnen wollte man erfahren, ob sie mit dem Teufel verbunden seien und an angeblichen Hexenversammlungen teilgenommen hätten.

Die dadurch entstandenen Aussagen konnten wiederum zu neuen Anschuldigungen führen.

So entstand ein Kreislauf:

Verdacht → Verhör → Geständnis → weitere Namen → neue Verdächtigungen → weitere Prozesse.

Die Universität Trier beschreibt Folter, Verhöre und Denunziationen als wichtige Bestandteile der damaligen Verfolgungsmechanismen.

Der Teufel als Mittelpunkt des Hexenbildes

Der Teufel wurde damit zum Mittelpunkt des frühneuzeitlichen Hexenbildes.

Die angebliche Hexe war in dieser Vorstellung nicht einfach eine Frau oder ein Mann, der sich mit Kräutern oder Magie beschäftigte. Sie galt als jemand, der bewusst die Seite des Teufels gewählt hatte.

Damit wurde der Hexereivorwurf zu mehr als einem Vorwurf wegen Zauberei.

Er wurde zu einem Vorwurf des Verrats an Gott und der christlichen Gemeinschaft.

Genau diese Verbindung machte den Vorwurf so gefährlich.

Und was hat das mit dem Harz zu tun?

Der Harz wurde durch seine Landschaft und seine besonderen Orte zu einem idealen Schauplatz für solche Vorstellungen.

Der Brocken, die Wälder, einsamen Täler, Felsen und abgelegenen Bergregionen boten eine geheimnisvolle Kulisse. Später verbanden sich die Vorstellungen von Hexenflug, Hexensabbat und Teufel besonders eng mit dem Brocken.

Aus dem realen Berg wurde in der Sagenwelt der Blocksberg – ein Ort, an dem sich die Hexen in der Walpurgisnacht versammeln sollten.

So verbanden sich historische Vorstellungen über Hexerei mit der besonderen Landschaft des Harzes.

Historischer Hexenglaube und moderner Hexenkult

Heute wird das Wort „Hexe“ häufig völlig anders verstanden.

Moderne Menschen, die sich beispielsweise mit Wicca, Naturspiritualität, Kräuterkunde oder neuheidnischen Traditionen beschäftigen, verstehen sich nicht automatisch als Anhänger des Teufels.

Insbesondere Wicca ist keine Teufelsverehrung. Die moderne religiöse Bewegung entstand erst im 20. Jahrhundert und steht historisch nicht einfach für die angeblichen Hexensekten der frühen Neuzeit.

Die Gleichsetzung

Hexe = Teufelsanbeterin

gehört daher vor allem zum historischen Hexenbild der Verfolgungszeit und nicht zu einer allgemeinen Definition moderner Hexentraditionen.

Sage, Mythos und Wirklichkeit

Die Geschichte vom Teufel und den Hexen zeigt, wie sich ein Mythos über Jahrhunderte verändern kann.

Historisch: Vorstellungen von Teufelspakt, Hexenflug und Hexensabbat entwickelten sich insbesondere im 15. Jahrhundert zu einem umfassenden Bild von Hexerei.

Historisch: Theologen, Juristen und weltliche Obrigkeiten waren auf unterschiedliche Weise an der Entwicklung und Durchführung der Hexenverfolgungen beteiligt.

Historisch: Hexenprozesse konnten zu Folter, Geständnissen und Hinrichtungen führen.

Sagenhaft: Hexen fliegen auf Besen zum Blocksberg, tanzen dort mit dem Teufel und schließen mit ihm einen magischen Pakt.

Nicht belegt: Dass eine geheime Gemeinschaft von Hexen tatsächlich regelmäßig solche Teufelsrituale durchgeführt hat.

Die Verbindung von Teufel, Hexe und Hexensabbat ist damit vor allem ein historisch entstandenes Vorstellungsbild. Es erzählt weniger davon, was Hexen tatsächlich getan haben, als davon, was die Menschen der frühen Neuzeit glaubten und fürchteten.

Und gerade deshalb gehört diese Geschichte auch zur Geschichte des Harzes: Nicht nur die Berge und Wälder haben die Sagen hervorgebracht – auch die Ängste der Menschen haben ihre Spuren in den Geschichten hinterlassen.