Ein Land am Ende des Krieges
Als am 8. Mai 1945 die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht in Kraft trat, war der Zweite Weltkrieg in Europa beendet. Das nationalsozialistische Deutschland hatte den Krieg verloren. Adolf Hitler war tot, die NS-Führung zusammengebrochen und Deutschland von den Armeen der Alliierten besetzt.
Doch mit dem Ende der Kämpfe begann für die Menschen nicht sofort Frieden im heutigen Sinne. Millionen standen vor den Trümmern ihres bisherigen Lebens.
Die großen Städte waren teilweise schwer zerstört. Straßen, Brücken, Bahnhöfe und Fabriken waren beschädigt oder zerstört. Wohnungen fehlten, Lebensmittel waren knapp und Millionen Menschen waren unterwegs: Soldaten kamen aus der Gefangenschaft zurück, Flüchtlinge und Vertriebene suchten eine neue Heimat und Familien versuchten, vermisste Angehörige wiederzufinden.
Deutschland war militärisch besiegt, wirtschaftlich erschöpft und politisch zusammengebrochen. Eine funktionierende deutsche Zentralregierung gab es nicht mehr. Die vier Siegermächte – USA, Großbritannien, Frankreich und die Sowjetunion – übernahmen die oberste Regierungsgewalt.
Für viele Menschen begann deshalb eine Zeit, die von einem einfachen Wort geprägt war:
Überleben.
Deutschland wird in vier Besatzungszonen aufgeteilt
Nach dem Krieg teilten die Alliierten Deutschland in vier Besatzungszonen.
Die amerikanische Zone umfasste unter anderem Bayern, Hessen und Württemberg-Baden. Die britische Zone erstreckte sich über große Teile Nord- und Westdeutschlands. Die französische Zone lag vor allem im Südwesten. Die sowjetische Besatzungszone umfasste unter anderem Brandenburg, Mecklenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.
Auch Berlin wurde trotz seiner Lage innerhalb der sowjetischen Zone in vier Sektoren aufgeteilt.
Die vier Besatzungsmächte wollten Deutschland zunächst gemeinsam verwalten. Dazu wurde der Alliierte Kontrollrat geschaffen. Doch schon bald zeigten sich erhebliche Unterschiede zwischen den Vorstellungen der westlichen Alliierten und der Sowjetunion.
Auf der Potsdamer Konferenz im Sommer 1945 verständigten sich die Alliierten unter anderem auf die Entmilitarisierung Deutschlands, die Beseitigung nationalsozialistischer Strukturen, die Bestrafung von Kriegsverbrechern und eine demokratische Neuordnung.
Doch die gemeinsame Politik hielt nicht lange. Der Gegensatz zwischen den ehemaligen Verbündeten wurde immer größer. Aus der Zusammenarbeit entwickelte sich schließlich der Kalte Krieg.
Deutschland wurde dadurch zunehmend zum Mittelpunkt eines neuen Konflikts zwischen Ost und West.
Die Städte in Trümmern
Wer 1945 durch deutsche Städte ging, sah eine Welt, die kaum noch wie die alte aussah.
In vielen Innenstädten standen nur noch Fassaden. Häuser waren ausgebrannt oder eingestürzt. Fensterscheiben fehlten, Straßen waren voller Schutt und vielerorts lagen zerstörte Fahrzeuge und Trümmerteile herum.
Besonders stark zerstörte Städte waren beispielsweise Berlin, Hamburg, Köln, Dresden und Nürnberg.
In einigen Großstädten waren große Teile der Wohngebäude beschädigt. Insgesamt war ein erheblicher Teil des deutschen Wohnraums durch Bomben und Kämpfe zerstört worden. Auch die Verkehrsinfrastruktur war schwer getroffen.
Die Menschen mussten trotzdem weiterleben.
Sie räumten Trümmer weg, suchten nach brauchbaren Gegenständen und versuchten, ihre Wohnungen notdürftig wieder bewohnbar zu machen.
Aus zerbrochenen Möbeln wurde Brennholz. Ziegelsteine wurden aus zerstörten Häusern geborgen und erneut verwendet. Metall, Holz und andere Materialien waren wertvoll.
Die sogenannten Trümmerfrauen wurden später zu einem bekannten Symbol dieser Zeit. Frauen räumten gemeinsam mit Männern und Jugendlichen Schutt beiseite und halfen beim Wiederaufbau. Allerdings war die Vorstellung, dass ausschließlich Frauen die deutschen Städte wiederaufgebaut hätten, später stark vereinfacht worden. Auch professionelle Bauarbeiter, Männer, Jugendliche und andere Helfer waren beteiligt.
Der Wiederaufbau war eine Gemeinschaftsaufgabe einer völlig erschöpften Bevölkerung.
Hunger und Kälte
Neben den Trümmern war Hunger eines der größten Probleme der Nachkriegszeit.
Die deutsche Landwirtschaft war durch den Krieg geschwächt. Transportwege funktionierten nur eingeschränkt, viele landwirtschaftliche Arbeitskräfte fehlten und Millionen Flüchtlinge und Vertriebene mussten zusätzlich versorgt werden.
Lebensmittel wurden rationiert.
Die Menschen erhielten Lebensmittelkarten und konnten damit nur bestimmte Mengen kaufen. Besonders Fleisch, Fett, Zucker und andere wichtige Lebensmittel waren knapp.
Viele Familien lebten weit unter dem heutigen Standard.
Es wurde getauscht, gesammelt und improvisiert. Kartoffeln, Gemüse und andere Lebensmittel waren besonders wertvoll. Wer einen kleinen Garten besaß oder auf dem Land Verwandte hatte, war oft im Vorteil.
Die Situation wurde im besonders kalten Winter 1946/47 noch schlimmer. Kohle war knapp, Wohnungen konnten nicht ausreichend geheizt werden und viele Menschen froren. Hunger, Kälte und Krankheiten gehörten für zahlreiche Familien zum Alltag.
Für die Menschen bedeutete Frieden deshalb zunächst nicht Wohlstand.
Frieden bedeutete:
wieder essen können, ein Dach über dem Kopf haben und die Familie am Leben halten.
Der Schwarzmarkt
Wo Waren fehlen, entsteht ein Schwarzmarkt.
Auf den offiziellen Märkten konnten die Menschen nur begrenzte Mengen kaufen. Gleichzeitig brauchten sie Dinge, die kaum erhältlich waren: Lebensmittel, Kleidung, Schuhe, Tabak, Brennstoffe oder Medikamente.
Deshalb wurde getauscht.
Ein Mantel konnte gegen Kartoffeln getauscht werden. Eine Uhr konnte Lebensmittel wert sein. Zigaretten wurden zu einer Art Ersatzwährung und waren besonders begehrt.
Manche Menschen gingen aufs Land und versuchten dort, Lebensmittel direkt von Bauern zu bekommen.
Für die Bauern wiederum waren industrielle Waren interessant, die auf dem Land ebenfalls fehlten.
So entstand eine Schattenwirtschaft, in der nicht immer Geld den Wert einer Sache bestimmte.
Ein einfacher Satz beschreibt die damalige Situation besonders gut:
Wer etwas hatte, das der andere brauchte, hatte etwas zum Tauschen.
Der Schwarzmarkt war allerdings auch mit Gefahren verbunden. Preise waren hoch, Betrug kam vor und manche Menschen wurden ausgenutzt.
Trotzdem wurde der Schwarzmarkt für viele Familien zu einem wichtigen Bestandteil des Überlebens.
Die Kriegsheimkehrer
Millionen deutscher Soldaten befanden sich nach dem Krieg in Gefangenschaft.
Viele wussten nicht, wann sie nach Hause zurückkehren würden.
Für ihre Familien war die Ungewissheit quälend. Wochen, Monate und manchmal Jahre vergingen, ohne dass sie wussten, ob ein Vater, Sohn oder Ehemann noch lebte.
Wenn Kriegsgefangene schließlich zurückkehrten, fanden sie häufig eine völlig veränderte Heimat vor.
Manche kamen körperlich schwer verletzt zurück. Andere litten unter den Folgen jahrelanger Gefangenschaft und Kriegserlebnisse.
Viele hatten ihre Wohnung verloren oder mussten feststellen, dass Angehörige gestorben waren.
Auch die Familien hatten sich verändert.
Kinder waren älter geworden. Frauen hatten während des Krieges allein für die Familie sorgen müssen. Manche Männer kehrten in eine Gesellschaft zurück, in der ihre früheren Rollen nicht mehr selbstverständlich funktionierten.
Der Krieg endete deshalb nicht für alle Menschen am 8. Mai 1945.
Für viele Heimkehrer begann danach erst die schwierige Verarbeitung dessen, was sie erlebt hatten.
Flüchtlinge und Vertriebene
Eine der größten Herausforderungen der Nachkriegszeit war die Aufnahme von Flüchtlingen und Vertriebenen.
Millionen Deutsche hatten gegen Ende des Krieges ihre Heimat in den deutschen Ostgebieten und anderen Regionen Ost- und Mitteleuropas verlassen.
Viele flohen vor der heranrückenden Roten Armee. Andere wurden nach dem Krieg zwangsweise ausgesiedelt.
Bis Ende Oktober 1946 wurden in den vier Besatzungszonen mindestens zehn Millionen Vertriebene gezählt.
Die Menschen kamen häufig mit kaum mehr als dem, was sie tragen konnten.
Familien waren auseinandergerissen worden. Viele hatten Angehörige verloren. Manche wussten nicht, ob ihre Heimat noch existierte oder ob sie jemals zurückkehren konnten.
Die Aufnahme dieser Menschen stellte die ohnehin zerstörte Gesellschaft vor enorme Probleme.
Es fehlten Wohnungen, Lebensmittel, Arbeitsplätze und Schulen.
Flüchtlinge und Einheimische mussten lernen, miteinander auszukommen. Das verlief nicht immer problemlos.
Manche Einheimische empfanden die Neuankömmlinge als zusätzliche Belastung. Flüchtlinge wiederum fühlten sich nicht selten unerwünscht.
Trotz dieser Konflikte wurden die Vertriebenen in den folgenden Jahren zu einem wichtigen Teil der deutschen Nachkriegsgesellschaft.
Familien suchen ihre Vermissten
Nach dem Krieg begann eine riesige Suche.
Millionen Menschen wussten nicht, was mit ihren Angehörigen geschehen war.
Väter waren nicht zurückgekehrt. Söhne galten als vermisst. Kinder waren auf der Flucht von ihren Eltern getrennt worden.
Menschen schrieben Briefe, gingen zu Behörden und suchten nach Namen auf Listen.
Hilfsorganisationen und Suchdienste versuchten, Familien wieder zusammenzuführen.
Für viele blieb die Ungewissheit jedoch jahrelang bestehen.
Ein Brief mit der Nachricht, dass ein Angehöriger noch lebte, konnte für eine Familie bedeuten, dass plötzlich wieder Hoffnung entstand.
Ein anderer Brief konnte endgültige Gewissheit bringen:
Gefallen. Vermisst. Verschollen.
Die Nürnberger Prozesse
Während Millionen Menschen um ihr eigenes Überleben kämpften, begann gleichzeitig die juristische Aufarbeitung der nationalsozialistischen Verbrechen.
Am 20. November 1945 begann in Nürnberg der Prozess gegen die wichtigsten noch lebenden Vertreter der nationalsozialistischen Führung.
Der Internationale Militärgerichtshof wurde von den vier Siegermächten USA, Großbritannien, Frankreich und Sowjetunion getragen.
Die Angeklagten wurden unter anderem wegen Verbrechen gegen den Frieden, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt.
Die Beweisführung war umfangreich. Dokumente, Fotografien, Filme und Zeugenaussagen machten die Verbrechen des NS-Regimes sichtbar.
Der Prozess endete am 1. Oktober 1946 mit den Urteilen. Zwölf Angeklagte wurden zum Tode verurteilt; weitere erhielten Haftstrafen. Drei Angeklagte wurden freigesprochen.
Die Nürnberger Prozesse waren historisch bedeutend, weil erstmals führende Politiker und Militärs eines Staates auf internationaler Ebene persönlich für staatlich organisierte Verbrechen zur Verantwortung gezogen wurden.
Doch Nürnberg war nicht das Ende der Strafverfolgung.
Von 1946 bis 1949 folgten zwölf weitere Nürnberger Prozesse, unter anderem gegen Ärzte, Juristen, Militärs und Wirtschaftsführer.
Entnazifizierung – was sollte aus Deutschland werden?
Die Alliierten wollten Deutschland nicht einfach nur besetzen.
Sie wollten verhindern, dass der Nationalsozialismus erneut an die Macht kommen konnte.
Deshalb begann die Entnazifizierung.
Dabei sollte überprüft werden, welche Menschen in das NS-System verstrickt gewesen waren und welche Verantwortung sie getragen hatten.
Etwa 8,5 Millionen Deutsche waren Mitglied der NSDAP gewesen. Deshalb war die Aufgabe enorm.
In den westlichen Besatzungszonen mussten viele Erwachsene Fragebögen ausfüllen. Dabei wurde nach Parteimitgliedschaft, Funktionen und Tätigkeiten während der NS-Zeit gefragt.
Menschen konnten beispielsweise als Hauptschuldige, Belastete, Minderbelastete, Mitläufer oder Entlastete eingestuft werden.
Doch die Entnazifizierung verlief nicht überall gleich.
Die Amerikaner gingen zunächst besonders streng vor. Viele Menschen wurden aus ihren Ämtern entfernt und teilweise interniert. Später wurde das Verfahren zunehmend verändert und vereinfacht.
In der sowjetischen Besatzungszone verlief die politische Säuberung ebenfalls sehr umfangreich, war aber gleichzeitig mit dem Aufbau eines sozialistischen politischen Systems verbunden. Betriebe und Großgrundbesitz wurden enteignet und politische Strukturen neu aufgebaut.
Mit dem beginnenden Kalten Krieg verlor die gemeinsame alliierte Politik zunehmend an Bedeutung.
Die Frage lautete bald nicht mehr nur:
„Wer war Nazi?“
Sondern auch:
„Wie soll das neue Deutschland politisch und wirtschaftlich aussehen?“
Ein neues Bildungssystem
Die Alliierten wollten auch die deutsche Gesellschaft verändern.
Kinder und Jugendliche sollten nicht mehr im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie erzogen werden.
Schulen wurden überprüft. Belastete Lehrer konnten aus dem Schuldienst entfernt werden. Lehrpläne wurden verändert.
Dieser Prozess wurde häufig mit dem Begriff „Re-Education“ bezeichnet – also politische und gesellschaftliche Neuorientierung.
Die Idee dahinter war, demokratische Werte wie Menschenrechte, Freiheit und politische Verantwortung zu stärken.
Das war jedoch schwierig.
Deutschland hatte Millionen Menschen, die unter dem NS-Regime gelebt hatten. Gleichzeitig wurden dringend Lehrer, Verwaltungsbeamte, Ärzte, Juristen und andere Fachkräfte benötigt.
Es war daher unmöglich, alle Menschen, die Mitglied der NSDAP gewesen waren, dauerhaft aus ihren Berufen zu entfernen.
Die Nachkriegsgesellschaft musste deshalb zwischen Bestrafung, Verantwortung und praktischem Wiederaufbau einen schwierigen Weg finden.
Die Trümmerfrauen und der Wiederaufbau
Die Bilder von Frauen, die zwischen Ruinen Ziegelsteine sortieren, gehören zu den bekanntesten Bildern der deutschen Nachkriegszeit.
Frauen leisteten tatsächlich einen wichtigen Beitrag zum Wiederaufbau.
Sie räumten Schutt, versorgten Familien, arbeiteten in Fabriken und kümmerten sich um Kinder und ältere Angehörige.
Doch der Wiederaufbau war nicht allein ihre Leistung.
Auch Bauarbeiter, Handwerker, ehemalige Soldaten, Jugendliche, Flüchtlinge und viele andere Menschen arbeiteten daran, Wohnungen, Straßen, Brücken und Fabriken wieder aufzubauen.
Jeder brauchbare Ziegelstein konnte wichtig sein.
Aus alten Gebäuden wurden neue Häuser errichtet.
So entstand langsam aus der zerstörten Landschaft wieder eine bewohnbare Stadt.
Zwischen Schuld und dem Gefühl, selbst Opfer zu sein
Die deutsche Bevölkerung musste nach 1945 mit zwei unterschiedlichen Wahrheiten umgehen.
Auf der einen Seite hatten Millionen Menschen selbst Hunger, Bomben, Flucht, Gefangenschaft und Vertreibung erlebt.
Auf der anderen Seite war Deutschland für einen beispiellosen Eroberungs- und Vernichtungskrieg verantwortlich gewesen.
Diese beiden Erfahrungen konnten gleichzeitig bestehen.
Das Leid deutscher Zivilisten war real.
Aber dieses Leid konnte nicht die Verantwortung für die nationalsozialistischen Verbrechen aufheben.
Gerade in den ersten Nachkriegsjahren war die Auseinandersetzung mit dieser Verantwortung für viele Menschen schwierig.
Manche hatten Angst vor Bestrafung. Andere wollten über ihre eigene Beteiligung nicht sprechen. Wieder andere behaupteten, nichts gewusst zu haben.
Die Alliierten versuchten deshalb, die Verbrechen sichtbar zu machen.
Filme aus den Konzentrationslagern wurden gezeigt. Menschen wurden mit den Spuren der Lager konfrontiert. Die Nürnberger Prozesse machten Dokumente und Zeugenaussagen öffentlich.
Die Frage nach Schuld und Verantwortung sollte Deutschland noch viele Jahrzehnte beschäftigen.
Der schwierige wirtschaftliche Neubeginn
Deutschland war wirtschaftlich am Boden.
Fabriken waren beschädigt, Verkehrswege zerstört und Rohstoffe knapp. Gleichzeitig mussten Millionen Menschen versorgt werden.
In den westlichen Besatzungszonen entwickelte sich später mit amerikanischer Unterstützung eine stärkere Orientierung auf den wirtschaftlichen Wiederaufbau Westeuropas. Der Marshallplan spielte dabei ab 1948 eine wichtige Rolle.
In der sowjetischen Besatzungszone entwickelte sich dagegen ein anderes Wirtschafts- und Gesellschaftssystem.
Damit wurde immer deutlicher, dass Deutschland politisch auseinanderdriften würde.
Aus der gemeinsamen Besatzung entstand zunehmend ein Gegensatz zwischen Ost und West.
Der Weg zur Teilung Deutschlands
1945 hatten viele Menschen noch gehofft, Deutschland könne als einheitlicher Staat wieder aufgebaut werden.
Doch die politischen Unterschiede zwischen den Besatzungsmächten wurden immer größer.
In den westlichen Besatzungszonen entstand schrittweise eine parlamentarische Demokratie mit marktwirtschaftlicher Ordnung.
In der sowjetischen Besatzungszone wurde ein sozialistisches politisches und wirtschaftliches System aufgebaut.
1948/49 verschärfte sich der Konflikt.
Schließlich entstanden 1949 zwei deutsche Staaten:
Im Westen die Bundesrepublik Deutschland, im Osten die Deutsche Demokratische Republik.
Damit war der Neubeginn nach dem Krieg nicht nur ein Wiederaufbau.
Er war gleichzeitig der Beginn einer jahrzehntelangen deutschen Teilung.
Ein Land beginnt wieder zu leben
Trotz aller Not kehrte langsam Normalität zurück.
Kinder gingen wieder zur Schule. Geschäfte öffneten. Züge fuhren wieder regelmäßiger. Menschen heirateten, gründeten Familien und bauten Häuser auf.
Auf den Ruinen entstanden neue Wohnungen.
Aus den improvisierten Tauschgeschäften entwickelte sich langsam wieder eine funktionierende Wirtschaft.
Die Menschen wollten nach Jahren von Krieg, Angst und Hunger vor allem eines:
ein normales Leben.
Doch der Weg dorthin war lang.
Viele Familien blieben durch den Tod von Angehörigen für immer verändert. Andere trugen Verletzungen und traumatische Erfahrungen mit sich.
Millionen Menschen mussten mit Erinnerungen leben, über die lange Zeit kaum gesprochen wurde.
Die Nachkriegszeit – ein Neubeginn mit schweren Lasten
Das Jahr 1945 war deshalb weder nur ein Ende noch nur ein Anfang.
Es war beides.
Der Krieg war vorbei, aber seine Folgen bestimmten den Alltag noch viele Jahre.
Deutschland musste Städte wiederaufbauen, Flüchtlinge und Vertriebene integrieren, Kriegsheimkehrer aufnehmen, eine neue politische Ordnung schaffen und sich gleichzeitig mit den Verbrechen des Nationalsozialismus auseinandersetzen.
Die Nürnberger Prozesse machten deutlich, dass staatliche Macht nicht außerhalb jeder Verantwortung stehen darf.
Die Entnazifizierung sollte verhindern, dass nationalsozialistische Strukturen einfach weiterbestanden.
Der Wiederaufbau zeigte, wie viel Menschen trotz Hunger, Zerstörung und Unsicherheit leisten konnten.
Doch die Unterschiede zwischen den Besatzungszonen führten schließlich zur politischen Teilung Deutschlands.
Sage und Wirklichkeit
Auch diese Zeit brachte später zahlreiche Familiengeschichten hervor: Geschichten von verstecktem Essen, Schwarzmarktgeschäften, verlorenen Angehörigen, langen Fluchten, der ersten Nacht in einer neuen Wohnung oder dem ersten Stück Brot nach Tagen des Hungers.
Solche Erinnerungen gehören zur deutschen Nachkriegsgeschichte.
Doch hinter jeder persönlichen Geschichte stand eine historische Wirklichkeit.
1945 war kein sauberer Schnitt zwischen Krieg und Frieden.
Für manche bedeutete der 8. Mai die Befreiung vom Nationalsozialismus. Für andere zunächst Niederlage, Gefangenschaft oder Flucht. Für viele war es gleichzeitig das Ende der Angst vor den Kämpfen und der Beginn einer völlig unsicheren Zukunft.
Deutschland lag in Trümmern.
Doch zwischen den Ruinen begann etwas Neues.
Menschen räumten Steine beiseite, suchten ihre Angehörigen, teilten Lebensmittel, bauten Wohnungen und gründeten neue Familien.
Aus den Trümmern entstand langsam ein neues Deutschland – aber die Schatten des alten verschwanden nicht über Nacht.