Nationalsozialismus und Holocaust (1933–1945)
Am 30. Januar 1933 wurde Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt. Damit begann nicht einfach ein Wechsel der Regierung, sondern der schnelle Umbau Deutschlands von einer Demokratie zu einer Diktatur. Innerhalb weniger Monate beseitigten die Nationalsozialisten die politischen Freiheiten, schalteten Parteien und Verbände gleich, kontrollierten Presse und Kultur und bauten einen Staat auf, in dem Hitler und die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) immer größere Macht erhielten.
Die nationalsozialistische Herrschaft beruhte dabei nicht nur auf Gewalt. Propaganda, Gesetze, Überwachung, Einschüchterung, Denunziation und die Bereitschaft vieler Menschen zur Anpassung wirkten zusammen. Gleichzeitig wurden Menschen, die nicht in das rassistische und politische Weltbild des Regimes passten, zunehmend ausgegrenzt, verfolgt, eingesperrt und schließlich ermordet.
Der Höhepunkt dieser Entwicklung war der Holocaust – die systematische Verfolgung und Ermordung von etwa sechs Millionen europäischen Juden. Doch die nationalsozialistische Gewalt richtete sich auch gegen viele andere Opfergruppen.
Hitlers Machtübernahme
Hitler wurde nicht durch einen klassischen Staatsstreich Reichskanzler. Reichspräsident Paul von Hindenburg ernannte ihn am 30. Januar 1933 nach politischen Verhandlungen zum Regierungschef.
Die Nationalsozialisten nutzten anschließend die Möglichkeiten des bestehenden Staates, aber auch offenen Terror, um ihre Macht auszubauen. Nach dem Reichstagsbrand vom 27. Februar 1933 setzte die Reichstagsbrandverordnung grundlegende Bürgerrechte außer Kraft. Polizei und politische Organisationen der NSDAP gingen gegen Kommunisten, Sozialdemokraten und andere Gegner vor. Viele Menschen wurden verhaftet, ohne ein rechtsstaatliches Verfahren erwarten zu können.
Am 23. März 1933 verabschiedete der Reichstag das Ermächtigungsgesetz. Es gab der Regierung die Möglichkeit, Gesetze ohne die Zustimmung des Reichstags zu erlassen und bildete einen entscheidenden Schritt bei der Zerstörung der parlamentarischen Demokratie. Die Abstimmung fand unter massivem politischen Druck und in einer Atmosphäre von Gewalt und Einschüchterung statt.
Damit begann die schnelle Umwandlung Deutschlands in eine Diktatur.
Die Gleichschaltung
Das Leben der Menschen sollte nun in nahezu allen Bereichen nach den Vorstellungen der Nationalsozialisten ausgerichtet werden. Dies bezeichnete das Regime als Gleichschaltung.
Parteien wurden verboten oder lösten sich unter dem politischen Druck selbst auf. Gewerkschaften wurden zerschlagen und durch nationalsozialistische Organisationen ersetzt. Vereine, Verbände, Verwaltungen, Länder und zahlreiche gesellschaftliche Einrichtungen verloren ihre Selbstständigkeit.
Auch Schulen und Jugendorganisationen wurden kontrolliert. Jungen sollten beispielsweise in der Hitler-Jugend, Mädchen im Bund Deutscher Mädel im nationalsozialistischen Sinne erzogen werden.
Die Gleichschaltung bedeutete deshalb weit mehr als eine politische Veränderung. Sie griff tief in den Alltag ein. Der Staat wollte bestimmen, welche politischen Ansichten erlaubt waren, welche Bücher gelesen werden durften, welche Kunst als wertvoll galt und wie Kinder und Jugendliche erzogen wurden.
Propaganda und der Führerkult
Eine wichtige Säule der Diktatur war die Propaganda.
Unter Joseph Goebbels wurde das neu geschaffene Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda zu einem wichtigen Instrument des Regimes. Presse, Rundfunk, Film, Literatur, Theater und bildende Kunst wurden kontrolliert und für die politischen Ziele der Nationalsozialisten eingesetzt.
Radio spielte dabei eine besondere Rolle. Durch sogenannte Volksempfänger konnten politische Reden und Propagandasendungen in Millionen Haushalte gelangen.
Hitler wurde als unfehlbarer Führer dargestellt. Massenveranstaltungen, Fahnen, Uniformen, Aufmärsche und symbolische Inszenierungen vermittelten den Eindruck einer geschlossenen Gemeinschaft.
Gleichzeitig wurden Feindbilder geschaffen. Juden, politische Gegner und andere ausgegrenzte Gruppen wurden für gesellschaftliche Probleme verantwortlich gemacht. Antisemitismus und Rassismus waren keine Nebenthemen der NS-Ideologie, sondern gehörten zu ihrem Kern.
Die Verfolgung politischer Gegner
Zu den ersten Opfern des NS-Terrors gehörten politische Gegner.
Kommunisten, Sozialdemokraten, Gewerkschafter und andere Gegner wurden verhaftet, misshandelt und in Konzentrationslager verschleppt. Das erste reguläre Konzentrationslager Dachau wurde bereits im März 1933 eingerichtet.
Die frühen Konzentrationslager dienten zunächst vor allem dazu, politische Gegner einzuschüchtern, zu bestrafen und dauerhaft aus der Gesellschaft auszuschalten. Später entwickelte sich daraus ein riesiges Lagersystem mit unterschiedlichen Funktionen: Konzentrationslager, Zwangsarbeitslager, Durchgangslager, Kriegsgefangenenlager und Vernichtungsstätten.
Mit dem Ausbau der SS wurde dieses System immer stärker zentralisiert und organisiert.
Die Entrechtung der jüdischen Bevölkerung
Besonders brutal war die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung.
Bereits 1933 begannen Boykotte jüdischer Geschäfte und der Ausschluss jüdischer Menschen aus bestimmten Berufen. Nach und nach wurden Juden aus dem öffentlichen Leben gedrängt.
1935 verschärften die Nürnberger Gesetze diese Politik. Juden wurden zu Menschen mit weniger Rechten gemacht und aufgrund der nationalsozialistischen Rassenideologie rechtlich ausgegrenzt.
Die Verfolgung beschränkte sich dabei nicht auf Gesetze. Menschen wurden beschimpft, bedroht, aus ihren Berufen gedrängt und ihrer wirtschaftlichen Existenz beraubt.
Die Entrechtung verlief schrittweise. Gerade diese Entwicklung zeigt, wie eine Gesellschaft daran gewöhnt werden kann, dass einer bestimmten Gruppe immer mehr Rechte genommen werden.
Die Novemberpogrome 1938
In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 erreichte die antisemitische Gewalt eine neue Stufe.
Synagogen wurden in Brand gesetzt, jüdische Geschäfte und Wohnungen zerstört und jüdische Menschen öffentlich misshandelt. Zehntausende jüdische Männer wurden verhaftet und in Konzentrationslager verschleppt.
Diese Gewaltaktionen werden heute als Novemberpogrome 1938 bezeichnet.
Sie zeigten deutlich, dass die Verfolgung nicht mehr nur durch diskriminierende Gesetze und wirtschaftliche Ausgrenzung erfolgte. Der Staat ließ offene Gewalt gegen jüdische Menschen und ihr Eigentum zu und beteiligte sich daran.
Für viele jüdische Familien wurde nun endgültig deutlich, dass sie in Deutschland nicht mehr sicher waren. Einige versuchten, das Land zu verlassen. Andere konnten oder durften nicht ausreisen und waren später der Deportation und Ermordung ausgesetzt.
Krieg und Radikalisierung
Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs im September 1939 weitete sich die nationalsozialistische Gewalt auf große Teile Europas aus.
Die Besetzung Polens und später weiterer Länder brachte Millionen Menschen unter deutsche Herrschaft. Besonders im Osten Europas verband sich die deutsche Kriegsführung mit rassistischer und ideologischer Gewalt.
Juden wurden in Ghettos gezwungen, aus ihren Wohnungen vertrieben und unter unmenschlichen Bedingungen zusammengepfercht. Krankheiten, Hunger und Misshandlungen kosteten bereits dort viele Menschen das Leben.
Nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion im Juni 1941 begannen Einsatzgruppen der SS und Polizei mit systematischen Massenerschießungen jüdischer Männer, Frauen und Kinder. Ganze Gemeinden wurden ausgelöscht.
Damit war die Verfolgung endgültig in eine systematische Massenvernichtung übergegangen.
Der Holocaust
Der Holocaust bezeichnet die systematische Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland und seine Verbündeten und Helfer.
Etwa sechs Millionen jüdische Menschen wurden ermordet.
Die Morde geschahen auf unterschiedliche Weise: durch Massenerschießungen, Hunger und Krankheiten, Deportationen, Zwangsarbeit und in eigens eingerichteten Tötungszentren durch Giftgas.
Zu den bekanntesten Vernichtungsstätten gehörten Chełmno, Bełżec, Sobibór, Treblinka und Auschwitz-Birkenau. Auschwitz war dabei zugleich Konzentrations- und Zwangsarbeitslager sowie Vernichtungsstätte. In den fünf großen Tötungszentren wurden insgesamt mehr als 2,7 Millionen Juden ermordet.
Der Holocaust war kein einzelnes Ereignis und auch nicht nur das Ergebnis einiger weniger Täter. Seine Durchführung erforderte das Zusammenspiel zahlreicher staatlicher Stellen, der SS und Polizei, der Verwaltung, der Wehrmacht, wirtschaftlicher Akteure und weiterer Beteiligter.
Deportationen – die Menschen verschwinden aus ihrem Alltag
Für die Opfer begann der Weg in den Tod häufig lange vor dem eigentlichen Mord.
Menschen wurden aus ihren Wohnungen geholt, in Sammellager gebracht und anschließend mit Zügen deportiert. Familien wurden auseinandergerissen.
Viele wussten nicht, wohin sie gebracht wurden. Andere ahnten bereits, dass ihnen Schreckliches bevorstand.
Auch deutsche Juden wurden ab 1941 zunehmend deportiert. Sie mussten ihre Wohnungen verlassen, verloren Eigentum und wurden in Ghettos und Lager verschleppt. Der gelbe Stern machte die Ausgrenzung auch äußerlich sichtbar.
Hinter den Zahlen des Holocaust standen deshalb keine anonymen Gruppen, sondern einzelne Menschen: Eltern, Kinder, Großeltern, Nachbarn, Handwerker, Lehrer, Ärzte und Arbeiter.
Konzentrationslager und Zwangsarbeit
Das nationalsozialistische Lagersystem war riesig und bestand aus vielen verschiedenen Lagertypen.
Konzentrationslager dienten der Inhaftierung und Unterdrückung von Menschen, die das Regime als politische oder gesellschaftliche Gegner betrachtete oder aus rassistischen Gründen verfolgte. Daneben entstanden zahlreiche Zwangsarbeitslager.
Mit dem Fortschreiten des Krieges wurde Zwangsarbeit immer wichtiger für die deutsche Wirtschaft.
Millionen Menschen aus den besetzten Ländern wurden nach Deutschland verschleppt oder unter deutscher Herrschaft zur Arbeit gezwungen. Sie arbeiteten in Fabriken, Bergwerken, der Landwirtschaft, auf Baustellen und in der Rüstungsindustrie.
Viele wurden unter katastrophalen Bedingungen ausgebeutet. Hunger, Krankheiten, Gewalt und fehlende medizinische Versorgung führten zum Tod zahlreicher Zwangsarbeiter. Auch deutsche Unternehmen profitierten vom Einsatz dieser Menschen.
Zwangsarbeit war damit ein wesentlicher Bestandteil der deutschen Kriegswirtschaft.
Aktion T4 – Mord an Menschen mit Behinderungen
Die nationalsozialistische Rassenideologie richtete sich nicht nur gegen Juden.
Menschen mit körperlichen, geistigen oder psychischen Behinderungen wurden als angeblich „lebensunwert“ bezeichnet. Hinter dieser menschenverachtenden Vorstellung stand die sogenannte „Rassenhygiene“.
Im Rahmen der Aktion T4 begann ab 1940 die systematische Ermordung von Menschen mit Behinderungen.
In sechs Tötungsanstalten wurden zwischen Januar 1940 und August 1941 nach den erhaltenen internen Angaben 70.273 Menschen ermordet. Sie wurden unter anderem durch Kohlenmonoxid in Gaskammern getötet.
Die Morde wurden geheim gehalten und durch gefälschte Todesursachen verschleiert. Angehörige erhielten teilweise gefälschte Sterbeurkunden.
Öffentliche und kirchliche Proteste, unter anderem die bekannte Predigt des Münsteraner Bischofs Clemens August Graf von Galen vom August 1941, trugen dazu bei, dass die zentrale T4-Gasaktion im August 1941 offiziell beendet wurde.
Die Ermordung von Menschen mit Behinderungen hörte jedoch nicht auf. Sie wurde in anderer Form fortgesetzt, unter anderem durch Medikamente, Hunger und gezielte Vernachlässigung. Insgesamt wurden im Rahmen der verschiedenen nationalsozialistischen Krankenmordprogramme schätzungsweise etwa 250.000 Menschen ermordet.
Weitere Opfergruppen
Der NS-Terror traf viele verschiedene Gruppen.
Verfolgt und ermordet wurden unter anderem:
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Sinti und Roma,
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Menschen mit Behinderungen,
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politische Gegner,
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Gewerkschafter,
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Zeugen Jehovas,
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homosexuelle Menschen,
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Menschen, die als „Asoziale“ oder „Berufsverbrecher“ stigmatisiert wurden,
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polnische und sowjetische Zivilisten,
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sowjetische Kriegsgefangene,
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Widerstandskämpfer und Menschen, die sich dem NS-System widersetzten.
Nicht alle Opfergruppen wurden auf dieselbe Weise oder mit denselben Zielen verfolgt. Die nationalsozialistische Verfolgungspolitik unterschied sich je nach Gruppe, Zeitraum und Ort.
Gemeinsam war ihnen jedoch, dass das Regime Menschen nach politischen, rassistischen, sozialen oder weltanschaulichen Kriterien ausgrenzte und ihnen ihre grundlegenden Rechte absprach. Viele wurden inhaftiert, zur Zwangsarbeit gezwungen oder ermordet.
Der Alltag unter der Diktatur
Für die Mehrheit der deutschen Bevölkerung bedeutete das Leben unter dem Nationalsozialismus nicht ständig unmittelbare Gewalt. Trotzdem war die Diktatur im Alltag allgegenwärtig.
Kinder und Jugendliche wurden durch staatlich kontrollierte Organisationen geprägt. Zeitungen, Radio und Film verbreiteten die Vorstellungen des Regimes. Hakenkreuze, Fahnen und politische Symbole gehörten zum öffentlichen Erscheinungsbild.
Gleichzeitig mussten Menschen vorsichtig sein, was sie sagten.
Wer offen gegen Hitler oder das Regime sprach, konnte denunziert, verhaftet oder verfolgt werden. Die Gestapo überwachte Gegner und Verdächtige. Nachbarn, Arbeitskollegen oder Bekannte konnten Informationen weitergeben.
Dabei darf die deutsche Bevölkerung weder pauschal als geschlossen begeistert noch ausschließlich als machtloses Opfer dargestellt werden. Es gab Zustimmung, Anpassung, Gleichgültigkeit, Eigennutz, Angst, Ablehnung und Widerstand. Diese unterschiedlichen Formen des Verhaltens existierten nebeneinander.
Widerstand gegen Hitler
Trotz der Gefahr gab es Menschen, die sich dem Nationalsozialismus widersetzten.
Der Widerstand war sehr unterschiedlich. Einige Menschen halfen Verfolgten, versteckten jüdische Menschen oder beschafften gefälschte Papiere. Andere verteilten Flugblätter oder versuchten, Hitler und seine Regierung politisch oder militärisch zu stürzen.
Zu den bekanntesten Widerstandsgruppen gehörten die Weiße Rose um Hans und Sophie Scholl sowie der militärische Widerstand um Claus Schenk Graf von Stauffenberg.
Am 20. Juli 1944 versuchten Widerständler, Hitler durch eine Bombe in seinem Hauptquartier zu töten. Der Anschlag scheiterte. Danach ließ das Regime zahlreiche Beteiligte und Unterstützer verhaften und hinrichten.
Der Widerstand konnte die Diktatur nicht stürzen. Trotzdem zeigt er, dass es auch unter den Bedingungen von Terror und Überwachung Menschen gab, die bereit waren, ihr Leben für ihre Überzeugungen zu riskieren.
Das Ende der NS-Herrschaft
Ab 1943 verschlechterte sich die militärische Lage Deutschlands zunehmend. Die Niederlage von Stalingrad wurde zu einem Wendepunkt des Krieges.
1944 rückten die Alliierten von Westen und Osten weiter vor. Die deutsche Führung setzte den Krieg trotzdem fort und nahm weitere Opfer in Kauf.
Als die sowjetischen und westalliierten Truppen 1945 immer näher an das Deutsche Reich heranrückten, zerfiel die nationalsozialistische Herrschaft.
Am 30. April 1945 beging Hitler im Berliner Führerbunker Suizid.
Am 8. Mai 1945 endete der Krieg in Europa mit der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht.
Doch erst jetzt wurde das ganze Ausmaß der nationalsozialistischen Verbrechen für die Welt immer sichtbarer. Befreite Konzentrationslager zeigten Bilder von Hunger, Krankheit, Tod und völliger Entkräftung, die viele Menschen kaum begreifen konnten.
Die Befreiung der Lager
Als die Alliierten die Konzentrations- und Vernichtungslager erreichten, fanden sie Überlebende in einem erschütternden Zustand vor.
Viele Gefangene waren bis auf die Knochen abgemagert. In den Lagern lagen unbestattete Tote, und die Spuren der systematischen Gewalt waren überall sichtbar.
Die Befreiung bedeutete für die Überlebenden jedoch nicht automatisch ein Ende ihres Leidens. Viele hatten ihre Familien verloren, waren körperlich schwer geschädigt oder mussten mit den Erinnerungen an Jahre der Verfolgung weiterleben.
Das nationalsozialistische Lagersystem hatte Millionen Menschen erfasst. Insgesamt errichtete das NS-Regime zwischen 1933 und 1945 Zehntausende Lager und andere Haft- und Verfolgungsstätten in Deutschland und den besetzten Gebieten.
Die Verantwortung der Erinnerung
Die Geschichte des Nationalsozialismus und des Holocaust gehört zu den dunkelsten Kapiteln der deutschen Geschichte.
Sie zeigt, wie eine Demokratie innerhalb kurzer Zeit zerstört werden kann. Sie zeigt, wie Propaganda und rassistische Ideologien Menschen gegeneinander aufbringen können. Sie zeigt aber auch, dass Verfolgung nicht plötzlich aus dem Nichts entsteht.
Sie begann mit Worten, Vorurteilen und politischen Feindbildern. Daraus wurden Gesetze und Ausgrenzung. Daraus wurden Entrechtung, Gewalt, Deportation und schließlich systematischer Massenmord.
Deshalb ist es wichtig, nicht nur auf die letzten Jahre und die Vernichtungslager zu schauen. Der Weg dorthin begann bereits 1933.
Sage und Wirklichkeit
Für dieses Kapitel gibt es keine Sage, die das Geschehene erklären könnte. Die Wirklichkeit selbst ist schwer genug zu begreifen.
Der Nationalsozialismus war keine dunkle Legende und kein plötzliches Unglück, das über Deutschland hereinbrach. Er entstand durch konkrete politische Entscheidungen, eine rassistische und antisemitische Ideologie, organisierte Gewalt, staatliche Institutionen und die Beteiligung oder Anpassung vieler Menschen.
Der Holocaust war der systematische Mord an sechs Millionen europäischen Juden. Doch hinter dieser Zahl standen Millionen einzelner Lebensgeschichten, die durch die nationalsozialistische Verfolgung zerstört wurden.
Die wichtigste Erinnerung bleibt deshalb vielleicht die einfachste: Hinter jeder Zahl stand ein Mensch. Ein Name. Eine Familie. Ein Leben.
Und gerade deshalb darf die Erinnerung an diese Zeit niemals zu einer bloßen Zahl im Geschichtsbuch werden.